Siegfried Rauch - Naturbursche und Weltmann

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Kaviar - Dreh und ein weisser Smoking
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kaviar.jpg Wenn ein deutscher Sender eine große Fernsehserie plant, werden an der Gerüchtebörse sofort die Namen aller Schauspieler gehandelt, die für die Hauptrolle infrage kommen. Bei »Es muß nicht immer Kaviar sein« -13 einstündige Folgen! - waren es an die zwei Dutzend. Alles, was gut und teuer ist.

Ich wollte diese Rolle unbedingt haben. Ich kannte Simmels Erfolgsroman. Literarischer Wert hin oder her, der Thomas Lieven ist eine Traumrolle.


Die Handlung hat Witz und Charakter und spielt obendrein an einigen der schönsten Plätze in unserem alten Europa. Nach der Hauptrolle leckten sich viele alle Finger. Auch solche, die das niemals zugeben würden.

Von meiner Agentur kam ein Zwischenbescheid: Im Gespräch waren noch ungefähr 15 Leute. Vier Wochen später waren`s noch drei. Einer war ich. Die Branche ist klein und überschaubar. Man hört oft mehr, als einem lieb ist. Die beiden anderen tönten: »Alles klar, ich hab` die feste Zusage des Produzenten.« Und: »Der Vertrag ist so gut wie unterschrieben.« Das war im Februar 1975. Im März sollte das Team vorgestellt werden.


Ich war an einem Abend im Theater gewesen und saß nach der Vorstellung mit ein paar Kollegen beim Wein. Ständiger Begleiter einer sehr aparten Kollegin war ein junger Mann, von dem es hieß, er sei Astrologe. Ich hielt das damals nicht unbedingt für einen seriösen Beruf. Zufällig kamen wir ins Gespräch. Die Unterhaltung wandte sich von meinem Job seinem Job zu.


»Ich bin Widder. Wie schaut`s denn aus mit Liebe und Erfolg?« Wie man eben so fragt, beim Wein, wenn`s schon nicht mehr spät, sondern früh ist.  »Wann sind Sie geboren?«  »Am 2.April.«  »Genauer, bitte: Jahr und Stunde.«  »1932. Mittags, kurz nach 13 Uhr.« »Da kommt der Jupiter«, murmelte er. »Sehr gut für den beruflichen Erfolg.«  Na ja. »Wirklich, es geht aufwärts !« behauptete er mitten in meine deutlich demonstrierte Skepsis.  »Wann denn?« »Spätestens im Juni.«  »Schade, das ist ein bisserl spät.«  »Wieso? Sind doch nur noch vier Monate.« Ich rückte `raus mit dem, was mich im Augenblick am brennendsten interessierte. Ich erzählte ihm von dem für die Rolle des Thomas Lieven übriggebliebenen Trio - und auch, wie sicher die beiden Kollegen, jeder für sich, waren. »Lassen Sie mir einen Tag Zeit«, bat er.

Am nächsten Tag kam er vor der Vorstellung in meine Garderobe und verkündete: »Sie kriegen die Rolle!«  »Tatsächlich?«  »Passen Sie auf«, fuhr er fort und wirkte so sicher, als läse er aus dem Kursbuch vor: »Am 21. März, mittags, erhalten Sie Bescheid. Ich weiß nur nicht, auf welche Weise.«  Die Selbstverständlichkeit, mit der er das behauptete, beeindruckte mich. Mehr, als ich wahrhaben wollte. Am 21. März war ich in Frankfurt. In der Hotelhalle. »Herr Rauch! Herr Rauch! Bitte zum Telefon!« Mein Agent war dran. Ich meldete mich, und er sagte: »Du hast die Rolle !«  Ich brauchte nicht zu fragen, von welcher Rolle er sprach. Von Astrologie hatte ich nie was wissen wollen. Seit dem 21. März 1975 denke ich, daß da doch was dran sein muß.

Die Dreharbeiten zum »Kaviar« dauerten ein halbes Jahr. Wir arbeiteten in Berlin im Atelier und gingen zu den Außenaufnahmen nach Barcelona und Gerona oder Girona, wie die Katalanen sagen. Barcelona hatten die Scouts der Produktionsfirma für Marseille ausgewählt, weil das Marseille von 1975 mit dem der späten Dreißiger kaum mehr Ähnlichkeit hat. Und Girona - das antike Gerunda - für Lissabon, weil die politische Lage in Portugal zu brisant war.Girona war kein schlechter Ersatz: Die Stadt breitet sich an zwei Hängen aus, die Häuser sind ähnlich gestaffelt wie in der portugiesischen Hauptstadt, und statt Straßen gibt es Treppen, Treppen, Treppen. - Barcelona war 1975 zweifellos auch das »echtere« Marseille.  - Kein leichter Job, passende Schauplätze für Filme zu finden, die in einer anderen Zeit spielen, auch wenn die Scouts so nach und nach die ganze Welt kennenlernen.