Siegfried Rauch - Naturbursche und Weltmann

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Weihnachten zuhause.......... PDF Drucken E-Mail

weihnachten.jpgWeihnachten hatte ich während meiner ersten 25 Lebensjahre immer im Familienkreis verbracht.

Mein Bruder Hermann wollte nicht verstehen, daß diese Regel plötzlich durchbrochen werden sollte. »Es läßt sich nicht ändern«, sagte ich. Wir unterhielten uns per Telefon, er im oberbayerischen Hagen bei Murnau, ich in Bremen.

»Weihnachten sind zwei Vorstellungen.« Ich spielte den bösen Fliegenpilz in einem Märchen und konnte ebensowenig schwänzen, als wär`s die Titelrolle in »Don Carlos« gewesen. »Du kommst nach Hause !« sagte Hermann. »Ich weiß noch nicht, wie, aber irgendwie krieg ich`s hin.« »Gib`s auf! Völlig ausgeschlossen, mich Weihnachten hier loszueisen.«

Hermann rief- ohne mein Wissen - den Intendanten an. Natürlich hatte er keinen Erfolg. Da telefonierte er mit Siebert, dem Regisseur des Märchenstücks. Er muß ihm furchtbar zugesetzt haben. Siebert kam mit hochrotem Kopf zu mir: »Ihr Bruder! Hat der noch alle Tassen im Schrank?« »Wieso?« »Der wollte, daß ich Ihre Rolle übernehme, damit Sie Weihnachten nach Hause können!« »Tut mir leid, ich hab damit nichts zu tun. Vergessen Sie`s.« »Leicht gesagt«, schnaubte er. »Ich hab mich überreden lassen.«

Offenbar tat ihm das schon wieder leid. Aber er war Hermann im Wort und stand dazu. An der Fliegenpilz-Rolle war glücklicherweise nicht viel zu lernen, und er als Regisseur mußte ja am besten wissen, wie er sie aufgefaßt haben wollte. Trotzdem drohte die ganze Vereinbarung im letzten Augenblick zu platzen. Wortwörtlich! Denn Siebert kam nicht ins Kostüm. Es war zu eng.

Ich machte mich klammheimlich davon und holte das Flugticket ab,das mein fürsorglicher Bruder längst hatte reservieren lassen. Ganz wohl war mir nicht bei dem Gedanken an die künftige Zusammenarbeit mit Siebert.

Hermann hatte aber auch daran gedacht. Der Regisseur erhielt ein dickes Paket mit modischen Pullis für sich und seine kleine Freundin. Er war glücklich. Ich war erleichtert.

Weihnachten bei uns zu Haus: Dazu gehörten immer auch festliche Mahlzeiten. Doch spätestens am zweiten Feiertag brachte meine Mutter etwas Leichtes auf den Tisch, das pikant genug war, unseren Appetit wieder zu wecken und den von Gans oder Ente und all den Süßigkeiten malträtierten Magen nicht noch mehr belastete.

Auch möglichst geringer Arbeitsaufwand spielte eine Rolle, und das finde ich sehr vernünftig.