Siegfried Rauch | Willkommen auf meiner Homepage |

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Im Kardinalsgewand

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kardinalEine meiner ersten Auslandsreisen zu Dreharbeiten brachte mich 1965 nach Jugoslawien.
Ich spielte - unter Arthur Maria Rabenalts Regie - einen Kardinal.

In dem istrischen Hafenstädtchen Pirano schlenderte ich während einer Drehpause über den Marktplatz. In vollem Ornat. Ohne mir was zu denken. Da fiel plötzlich eine alte Frau vor mir auf die Knie, und bevor ich`s verhindern und irgendeine Erklärung geben konnte - küßte sie meinen Ring.

»Jetzt schau dir das an!« hörte ich heimische Laute und entdeckte zwei beleibte, schwitzende Touristen. »Der ist höchstens 30!« sagte die Frau. »Und schon Kardinal.« »Bestimmt ein Kommunist«, meinte der Mann und musterte mich mit Abscheu. »Glaubst du, daß die das dürfen? Kommunisten zu Kardinälen machen?« Ich war so nah dran, vor Lachen zu platzen, daß ich den Ausgang der Diskussion lieber nicht abwartete. Der jugendliche Kommunisten-Kardinal verließ den Platz im Laufschritt und wäre beinah lang hingeschlagen, als er mit dem linken Fuß im Saum seines bodenlangen roten Ornats hängenblieb.

Am gleichen Tag gab`s bei den Dreharbeiten vor einer Kirche eine Störung, gegen die selbst unser arg gestreßter Regisseur nichts einzuwenden wagte. Eine Kolonne schwerer Wagen rauschte heran, stoppte, und aus dem größten und längsten Mercedes, den ich je gesehen hatte, stieg ein beeindruckender Mann mit breiter Ordensbrust und prächtiger Uniform:
Josip Broz Tito. Was wir da trieben? wollte er wissen. Ob ihn die Antwort befriedigte, war nicht erkennbar. Er sah drei, vier Minuten schweigend zu, wandte sich um, verschwand in seinem landgängigen Schiff und die Kolonne brauste davon.

Die Tage waren anstrengend, allein durch die Kombination von Kardi-
nalsgewand und 35 Grad im Schatten. In Jeans und offenem Hemd fühlteich mich abends nach Drehschluß wie von Zentnerlasten befreit.