Siegfried Rauch | Willkommen auf meiner Homepage |

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Verlockendes Abenteuer

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Abenteuer

Meiner Frau Karin verdanke ich viel.
Unter anderem mein Leben.
1966 drehte ich auf Ceylon (Sri Lanka) einen Agentenfilm mit dem Titel "Drei gelbe Katzen". Unser Kameramann war Klaus von Rautenfeld, ein unerhört erfahrener Mann, der sich seinen Namen schon zur Zeit der alten UFA gemacht hatte und die Insel an der Südspitze Vorderindiens in- und auswendig kannte. Für den großen Showdown hatte Rautenfeld einen geheimnisumwitterten Platz im Landesinneren ausgesucht: Anuradhapura.

Tempelruinen, Buddhastatuen und Überreste eines angeblich 40 Stockwerke hohen hölzernen Hochhauses. Dazu ein See, der durch die an seinen Ufern langsam absterbenden Bäume etwas Geisterhaftes bekam. Anuradhapura war entweder zu Fuß oder auf dem Luftweg erreichbar. Wir nahmen eine zweimotorige Uralt-Maschine, die in Colombo startete und auf einem Grasplatz am See niederging. Mein Magen hing irgendwo knapp unter dem Kehlkopf, Karin konnte der albtraumhafte Flug nicht erschüttern. Sie hatte eine Reise im Charterflugzeug hinter sich.

Abends flippten die Eingeborenen aus, als Karin und ich oberbayerische Volksmusik samt Jodeleinlagen zum besten gaben. Am nächsten Morgen stand Ausschlafen auf dem Programm. Ich hatte nämlich eigentlich einen drehfreien Tag. Das Hotel lag direkt an dem geisterhaften See, und von der Terrasse aus konnten wir zusehen, wie das gepanzerte Boot zu Wasser gelassen wurde. »Siehst du das Haus am anderen Ufer? Das ist die Villa meines Todfeindes.« Ich spielte einen Gangster. »Und mit dem Boot . . »Mit dem Boot kurve ich über den See und beschieße die Villa aus den beiden Bordkanonen.« »Du hast heute frei!« erinnerte Karin. »Ich weiß. Für die Fahrt ist ohnehin ein Double engagiert.«

Der Regisseur kam auf die Terrasse, wo wir beim Frühstück saßen. Karin goß ihm einen Kaffee ein. »Wie wär`s, Sigi?« fragte er. »Reizt es dich nicht, das Boot selbst zu steuern?« Und ob mich das reizte! Wie alles, was nach Abenteuer roch. Zu jener Zeit hielt ich`s noch für männlich und stark, mich nicht doub ein zu lassen. Ich hatte die Serviette schon auf den Tisch geworfen und war im Begriff aufzustehen und dem Regisseur zu folgen. Da sagte Karin: »Nein!« Sie sagte es auf eine ganz spezielle Weise. Sie meinte es ernst. »Das ist unser erstes gemeinsames Frühstück nach vielen Wochen, und ich will nicht, daß du mittendrin wegläufst!« Der Regisseur zuckte die Achseln: »Zu sehen bist du ohnehin nicht, also spielt es keine Rolle, wer das Boot steuert.«

Ich blieb am Frühstückstisch und sah zu, wie ein ceylonesischer Soldat in das gepanzerte Wasserfahrzeug stieg.
Da war schon so ein kleines, nagendes Bedauern; ich verpaßte ja was. Das Boot kurvte auf den See hinaus. Per Megaphon gab der Regieassistent Anweisungen. Die Kamera lief. Das Boot hielt auf die Villa am anderen Ufer zu. Exakt im richtigen Moment feuerte mein Double die erste Kanone ab. Mannomann, war das ein Feuerstrahl, der da aus dem Rohr fauchte!

Was hatte ich mir entgehen lassen - für ein paar Minuten Frühstück! Der Schuß aus der zweiten Bordkanone ging voll nach hinten los. Danach war es plötzlich unwirklich still. Dann schoß ein anderes Boot auf den See hinaus und ging längsseits. Ich erinnere mich nicht gern an den Anblick, der sich bot, als man den Ceylonesen an Land brachte. Er lebte noch, aber helfen konnte ihm niemand mehr.

Eine Weile verfolgten mich Albträume, aus denen ich schreiend erwachte, mit beiden Händen mein Gesicht abtastend.
Wie gut, wenn ich Karin dann neben mir spürte und ihre beruhigende, zärtliche Stimme hörte.
Von Ceylon mochte ich nach diesem tragischen Zwischenfall, der um ein Haar mein Leben gekostet hätte, lange nichts mehr wissen.