In Frankreich machte ich im eine komische Agentengeschichte mit dem Titel
»Der Heilige mit der MP«.
Regisseur Christian Jaques hatte das ganze bewährte Team aus »Fanfan der Husar« zusammen und dazu das beste Stuntmenteam, das in Frankreich überhaupt aufzutreiben war, an der Spitze der große Gil de la Mare.Beste Voraussetzungen also für gute, profihafte Arbeit.
Jean Marais war mein Gegenspieler. Einer wie der andere waren wir versessen darauf, unsere Sportlichkeit und Fitness zu beweisen. Nicht,dass wir den Stuntmen etwas wegnehmen wollten Aber das meiste von dem, was die machten, konnten wir auch.
Oder bildeten es uns ein.
»Wir haben also morgen früh die Szene auf dem Autotransporter«, sagte Christian Jaques nach einem langen Drehtag, als wir uns bei einem Glas vin rouge erholten. Er sah mich an: »Du springst vom Führerhaus auf das obere Deck. Dort kommt es zum Kampf zwischen dir und Jean. - Natürlich machen das Gil und seine Leute. «
Ich tauschte einen Blick mit Jean Marais. Jaques`Feststellung hatte nicht sehr endgültig geklungen. Eigentlich nicht mal besonders überzeugt.
»Warum läßt du uns die Szene nicht drehen? « »Das wäre natürlich sehr schön«, sagte der Regisseur gedehnt. »So kommen wir ohne Schnitte zu ein paar überzeugenden Groß-aufnahmen. Aber traust du dir das denn zu? « »Natürlich.« »Jean?« Marais grinste und nickte:
»Wo ist die Schwierigkeit? Ich werde Sigi packen und vom Wagen werfen. Voila~!«
»Was sagst du dazu? « wandte Christian Jaques sich an Gil de la Mare. »Die beiden können das«, nickte der Stuntman.
Damit war es beschlossene Sache: Jean Marais und ich würden uns am nächsten Tag nicht doubeln lassen.Ich schlief gut in dieser Nacht. Falls ich von dem bevorstehenden Abenteuer träumte, hatte ich`s jedenfalls beim Aufwachen schon vergessen. Christian Jaques ging die Szene vor Drehbeginn noch einmal minuziös mit allen Beteiligten durch. Ich konzentrierte mich auf das, was er mir sagte:
»Also, du springst vom Führerhaus hinauf auf das obere Deck. Du duckst dich hinter einen der Wagen, du schleichst dich an, aber Jean sieht dich. Es kommt zum Kampf. « Folgten die ver-schiedenen Schläge, die Ausrutscher, die Clinchs - Alles, bis zum - für mich - bitteren Ende: »Dann wirft Jean dich, und du stürzt vom Wagen. Du musst schreien, Sigi! Du stürzt in den Tod, und die Kamera wird ganz dicht dran sein, deinen Gesichtsausdruck festhalten, das Entsetzen in der Sekunde unmittelbar vor dem Ende!« Wir probten alles, und es klappte großartig. Nur den Sturz probten wir natürlich nicht. Das wäre zu aufwendig gewesen.Neben der Straße, über die der riesige Autotransporter fuhr, war an der entsprechenden Stelle ein Holzgerüst aufgebaut, bestückt mit einer Unzahl leerer Kartons. Auf nichts stürzt sich`s besser, als auf solche Kartons! Sie erlauben Fallhöhen bis zu zwölf Meter - einen einigermaßen geübten Mann vorausgesetzt. Heu, Stroh, Schaumgummi: Nichts ist so gut wie mehrere Lagen leerer Kartons mit ihrem Knautscheffekt. Aber der Aufbau macht sehr viel Arbeit, und man braucht für jeden Sprung oder Sturz neue Kartons.














