Mit Christian Jaques und dem ganzen Team von »Der Heilige mit der MP«
flog ich zwischen-durch zu Außenaufnahmen nach Sizilien.
In Palermo war`s nicht auszuhalten bei 40 Grad im Schatten. Ein paar Kilometer nordwestlich, in dem Küstenstädtchen Mondello, fanden wir`s erträglicher. Ich verbrachte jede halbe Stunde, in der ich nicht gebraucht wurde,entweder in meinem relativ kühlen, dämmrigen Hotelzimmer - oder unter einem Sonnenschirm in der Nähe des Wassers.
In Mondello habe ich gelernt, Meeresfrüchte zu essen - und zu lieben. Ursache waren die Fliegen. Diese Fliegen saßen zu Tausenden auf jedem Stück Fleisch in jeder Metzgerei. Als ich das beim ersten Bummel durch die engen Gassen der Altstadt sah, drehte sich mir fast der Magen um, und ich schwor mir, kein Fleisch zu essen, solange ich auf Sizilien war. Halb und halb hatte ich mich bereits damit abgefunden, ausschließlich von Brot, Wein und Obst zu leben. Da kam ich in den Fischerhafen und sah, wie jeder Fischer direkt vor dem Boot seinen Tisch aufbaute und seinen Fang in erstaunlich kurzer Zeit zubereitete, um ihn an Ort und Stelle zu verkaufen. Der Tintenfisch zum Beispiel kam in kochendes Wasser, wurde heraus-genommen, zerteilt und dem Hungrigen auf einem Stück Papier gereicht. Dicke, saftige Zitronen lagen halbiert auf einer großen Platte, und jeder beträufelte seinen Imbiss nach Geschmack. Es gab Muscheln, Gamberetti, Gamberoni, Langustinos, Conchiglie, Vongole und eine Menge bizarr aussehender Tiere, von denen ich noch nie gehört und die ich unter anderen Umständen bestimmt nicht für essbar gehalten hätte. Hier ließ mir alles das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nicht nur der von Tisch zu Tisch wechselnde Anblick der aus damals noch sauberem Meer stammenden Köstlichkeiten, sondern ebenso der sichtbare und hörbare Genuss, mit dem die Einheimischen sie vertilgten. Für ein paar Lire, geradezu lächerlich billig, aß ich mich im Lauf der Tage vom ersten bis zum letzten Tisch durch - und wieder zurück. Für die Sizilianer waren diese Stände mit frisch zubereiteten Meeresfrüchten und Fischen so selbstverständlich wie für uns die Würstchenbude an der Ecke.
Nachdem ich auf den Geschmack gekommen war, begann ich, die Menschen im Süden zu beneiden. Ich tu`s heute noch. Sizilien - das war für mich und die meisten Kollegen gleichbedeutend mit Mafia, mit Verbrechen, mit unkalkulierbarer Gefahr. Ich gebe zu, dass ich Angst gehabt habe, als wir - auf der Suche nach geeigneten Drehorten - durch die finsteren Mafia-Dörfer kamen, zum Beispiel durch das berüchtigte Corleone im Hinterland von Palermo.
Ich war nicht allein mit dieser Angst. Aber wir waren dort gewiss sicherer als zum Beispiel bei einem abendlichen Gang durchs Frankfurter Bahnhofsviertel. Seinerzeit galt noch die Regel, dass Fremde - Touristen vor allem - tabu waren. Die meisten Menschen begegneten uns freundlich, auch gastfreundlich. Und wer nichts mit den Fremden zu tun haben wollte, der hielt sich einfach zurück. Natürlich kam es trotzdem zu einigen Zwischenfällen. Aber nicht im unzugänglichen, als überaus gefährlich geschilderten Bergland, sondern in Palermo.
Mitten in der Stadt und am helllichten Tag.














