Siegfried Rauch | Willkommen auf meiner Homepage |

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Hollywood`s Bestes Team

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Als Franklin Schaffner 1969 »General Patton« drehte, war das für die Amerikaner
eine ungeheuer wichtige Sache, ging`s doch um einen mittlerweile zum
Nationalhelden hochstilisierten Mann.
Für mich persönlich war der Film nicht weniger wichtig.
Er markierte meinen endgültigen Einstieg ins internationale Geschäft.

Die Besetzungsverhandlungen zogen sich über Monate. Hin und wieder ein Anruf: Ich sei noch im Gespräch. Dann: Ich sei in der engeren Wahl. Es ging um die Rolle eines deutschen Offiziers, der Geschichte studiert hat und aus Pattons Tick Kapital schlagen will; der General versuchte, alle seine Schlachten an historischen Stätten zu schlagen. Am liebsten dort, wo einst Hannibal gekämpft hat.
Als Schaffner seine Leute nach Deutschland schickte, waren wir noch drei Bewerber. Auf die Entscheidung warteten wir vergeblich. Es war ziemlich nervenzerfetzend. Dann kam ein Anruf von der Agentur: »Du mußt nach Almeria fliegen, Schaffner ist jetzt dort und will selbst
entscheiden.« In München-Riem lag das Ticket nach Madrid bereit.

Auf dem Madrider Airport spazierte ein Mann mit einem Schild hin und her.
Darauf stand nur ein Wort: Rauch. Es war ein Spanier, der ebenso wortreiche wie un-verständliche Erklärungen gab und mich dann kurzerhand zur nächsten Maschine brachte. In Almeria lief wiederum ein Spanier mit einem Schild herum. Der brachte mich zum Hotel, und dort saß ich dann zwei Stunden, bevor ich in den Salon gerufen wurde, in dem Schaffner, der Produzent und der ganze Stab saßen. Schaffner musterte mich von oben bis unten und wieder zurück. Mir kam`s vor, als hätte er Röntgenaugen. Auf seinen Wink gab mir einer der Assistenten einen Zettel mit ein paar Sätzen Text. Alle starrten mich an und schienen darauf zu warten, daß ich vom Blatt las. Ich tat`s nicht. Ich fragte: »Was ist vorher gewesen? In welchen Zusammenhang gehört der Text?« Der Assistent bekam einen zweiten Wink, nahm mich zur Seite und erzählte mir die Story in Kurzfassung.
»Sie können `rausgehen und sich präparieren. Schaffner will wissen, wie Sie Amerikanisch sprechen.«
Ich blieb und sprach. Der große Meister sah mich an und sagte kein Wort. Da traute sich von all den anderen auch keiner, den Mund aufzumachen. Nach mehreren Minuten, in die fast vollkommene Stille, die Frage:
»Können wir Mr. Rauch jetzt wieder nach Germany schicken?«
»Yes«, sagte Schaffner scheinbar völlig abwesend. Und wiederholte: »Yes, yes, yes.«
Mit meiner Hoffnung auf die Rolle war`s danach nicht mehr weit her.
Der Assistent folgte mir ins Foyer. »Morgen abend um sechs Uhr wissen Sie Bescheid.«
Es klang wie der`Versuch, mich zu trösten.

Fünf Minuten vor sechs Uhr klingelte tags darauf das Telefon. Mein Agent war dran: »Gratuliere! Du hast die Rolle!«
Als die Außenaufnahmen in Spanien begannen, war die amerikanische Mischung von Lässig-keit mit Disziplin und Akkuratesse für mich noch neu und ungeheuer beeindruckend. Ich habe das später immer wieder erlebt. Es beeindruckt mich heute noch, obwohl ich - mit einigem Erfolg, glaube ich - von Anfang an versucht habe, mich anzupassen. Die Amerikaner sind im Filmgeschäft eben die wirklichen Profis.
Es lief alles wie am Schnürchen. Einfach perfekt! Ich äußerte meine grenzenlose Bewunderung einem amerikanischen Kollegen gegenüber. »Was hast du erwartet?« fragte er. »Das ist das beste Team, das Hollywood derzeit zu bieten hat. Und eins der besten, die es je gab.«
Mir ging ein leiser Schauer über den Rücken. Jetzt darfst du keinen Fehler machen, sagte ich mir. Denn die anderen schienen gar nicht zu wissen, was das war: ein Fehler. Ich lernte rasch. Ich gewöhnte mich auch bald daran, nur das zu tun, wofür ich engagiert war. In Deutschland, beispielsweise, hat jeder Schauspieler zum Ausleuchten auf der Szene zu sein.
Das ist eine oft langwierige, unter den heißen Studiolampen schweißtreibende Angelegenheit.