»General Patton« hatte mir international viele gute Kritiken eingebracht,
hatte einige der Leute aufmerksam gemacht, auf die`s ankommt und so zumindest indirekt auch dazu beigetragen, dass ich die Rolle des Gegenspielers von Steve McQueen in dem Rennfahrerfilm »Le Mans« erhielt. »Excellent, absolutely !«
- Auf dieses Lob des großen Regisseurs John Sturges war ich natürlich mächtig stolz.
Es verhinderte aber nicht, dass ich meine zweite Rolle in einem großen, internationalen Film viel verkrampfter anging als die erste. Vielleicht war`s sogar die Ursache. In »General Patton« war ich für die Amerikaner ein Nobody gewesen. Diesmal musste ich Erwartungen erfüllen.
Das merkte ich vor allem in der Art, mit dem Steve McQueen mir anfangs begegnete.
Er war auf eine fast verletzende Weise distanziert.
Aber noch während der Dreharbeiten sind wir Freunde geworden.
Ich beobachtete, dass Steve fast täglich Sauerkraut aß. Er war geradezu süchtig danach.
»Aber Choucroute ist nicht das Wahre«, vertraute er mir an, nachdem das Eis gebrochen war. »Weißt du, wo es das beste Sauerkraut gibt, Sigi? In München!« Und dann schwärmte er mir, dem in der Wolle gefärbten Oberbayern, von bayerischer Küche und bayerischem Bier vor.
Natürlich rannte er offene Türen ein. Zum Beispiel das Büchsenbier, das wir in Le Mans bekamen: Man trank es, um es zu vergessen...
Gegen Ende der Dreharbeiten gab so ziemlich jeder der Kollegen seine obligatorische Party. Nach drei Nächten wurde das fad. Ich ließ mir was anderes einfallen. Vor allem wollte ich nicht mit einer Hundertschaft feiern, sondern gemütlich, im kleinen Kreis.
Ich rief zu Hause an, um den Plan mit Karin zu besprechen. Benedikt, unser erster Sohn, war gerade erst aus dem Brutkasten entlassen worden, in den man den armen kleinen Burschen direkt nach der Geburt gelegt hatte. Er war jetzt knapp fünf Monate alt und entwickelte sich, zu unserer unbeschreiblichen Erleichterung, zu einem normalen und gesunden Kind.
Klar, dass Karin Bedenken hatte, ihn allein zu lassen, als ich fragte:
»Kannst du am Wochenende nach Le Mans kommen? «
Aber dann fand sich eine Freundin, mit der wir damals Tür an Tür wohnten, bereit, unseren Stammhalter zu hüten. Also besorgte Karin ein großes Holzfass Augustiner, echt bayerisches Sauerkraut, Rippen und eine Stubenmusi; das waren zwei Murnauer Musikanten, die Zither, Bandoneon und Gitarre spielten.
Ich kümmerte mich unterdessen um das richtige Ambiente und fand es in einer kleinen Auberge, deren Patron bereit war, mir sein schönstes Zimmer mit Erker, langem Tisch und offenem Kamin für das ganz und gar unfranzösische Fest zu überlassen.
Obwohl ich absolut keine Reklame machte, sprach mein Vorhaben sich in Windeseile herum. Aus Paris reiste der Vertreter einer Münchner Brauerei an und erklärte: »Wir ziehen das ganz groß auf und übernehmen alle Kosten! « Ich sagte höflich danke und nein. Es sollte ein gemütlicher Abend werden, ohne jeden Rummel, den Steve - das wusste ich inzwischen - genauso verabscheute wie ich.
Obwohl das Bier nach der langen Reise im VW-Bus nicht das Prädikat »gepflegt« verdiente, war die bayerische Brotzeit von Anfang an ein Hit.
Steve trank die erste Maß ex - unter den besorgten Blicken des Produzent, der zaghaft daran erinnerte, dass noch einige Drehtage bevorstanden. Bei bayerischen Volksweisen, Ripperln und Sauerkraut gerieten die Amerikaner völlig aus dem Häuschen.
Meine »Party«, die gar keine war, lieferte tagelang Gesprächsstoff -
auch für die, die nicht daran teilgenommen hatten.
Das machte mir ein richtig schlechtes Gewissen. Aber hätte ich alle eingeladen,
hätte die Sache hinten und vorne nicht mehr gestimmt.














