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Steve McQueen der Patenonkel.

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Als wir uns in Le Mans verabschiedeten, schwärmte Steve McQueen
immer noch von bayerischem Bier und bayerischen Sauerkraut.

»Besuch uns in Murnau, wenn du wieder mal bayerisch essen willst«, sagte ich. »Ist das eine Einladung? « »Nächste Woche feiern wir Benedikts Taufe. « Ich wusste, dass er dann noch in Europa war. 
»Wenn du zur Taufe kommst, wirst du sehen, dass die bayerische Küche nicht nur aus Sauerkraut, Rippen und Bier besteht. « »0, mir genügt das völlig«, sagte er. »Aber diese Taufe ... Da kommt die ganze Presse, wie? Ein Riesen-Rummel ..  »Bin ich Steve McQueen? « fragte ich grinsend. »Wenn mein Sohn getauft wird, geschieht das im Familien- und Freundeskreis. « Er versprach, zu kommen, aber ich rechnete nicht wirklich damit.

Einen Tag vor der Taufe klingelte das Telefon:
»Hallo, Sigi. Hier ist Steve. Ich bin in Straßburg. Wie muss ich weiterfahren?« Ich beschrieb ihm den Weg nach München. »Dort hole ich dich ab. « »Wozu? « fragte er. »Glaubst du, ich finde mich in eurem kleinen Land nicht zurecht? Murnau, das werd ich schon finden. Und ich nehme an, dort kennt man dich und kann mir den Weg zu deinem Haus zeigen. « Dann vergewisserte er sich noch einmal, dass es keine Presse, keinen Rummel geben würde. Er war allergisch gegen Störungen seines Privatleben durch professionelle Neugier. »Von mir erfährt kein Mensch, dass du hier bist«, versicherte ich.

Zwei Stunden später rief Michael Graeter an, der Münchner Kolumnist: »Ich weiß, dass McQueen dich besucht! Du brauchst es gar nicht abzustreiten. Seine Sekretärin hat sich am Telefon verplappert. « »Dann weißt du auch, dass er privat herkommt und keinen Journalisten sehen will.«  »Wenn es sich herumspricht, wird es dort draußen bei dir nur so wimmeln . . . «
»Sorg dafür, dass es sich nicht herumspricht - und komm her«, schlug ich vor. Wir verstanden uns. Ich wusste, Graeter würde nicht vorzeitig über Steves Besuch berichten.

In Murnau, das erzählte mir ein Freund wenig später, kam es zu einer hübschen kleinen Szene. Steve stoppte seinen Porsche mitten im Markt und fragte ein vorbeigehendes Mädchen: »Tell me: Where is Sigi Rauchs house? «Worauf das Mädchen ihn anstarrte, riesengroße Augen bekam und nur noch stammeln konnte: »Mein Gott! Der Steve McQueen !«

Steve fand dann trotzdem zu uns, und am nächsten Tag fungierte er als Benedikts Pate. Er fand sich auch mit Graeter ab, aber wir schmiedeten ein kleines Komplott. Angeblich reiste Steve einen Tag später ab, in Wirklichkeit blieb er noch eine ganze Woche.
Wir hatten eine herrliche, unbeschwerte Zeit. Ich zeigte Steve, wie Bayern wirklich ist und wie wir leben. Er war ja für mich so etwas wie ein Vorbild, hatte alles erreicht, wovon ich träumte. Und da sagte er plötzlich: »Du weißt nicht, wie gut du es hast. «
Wir saßen bei einer einfachen Brotzeit auf einer Berghütte. Die Spätherbstsonne schien, als wäre es gerade erst Oktober. »Du lebst ein Leben, das ist einfach sagenhaft! «
Dann erzählte er von der Zeit, die er selbst auf einer Ranch verbrachte. Er verglich seine damalige Existenz mit der jetzigen und kam zu dem ziemlich bitteren Schluss, alles sei verlogen, nichts stimme mehr... Natürlich wollte er nicht wirklich zurück zu den einfachen Zeiten, selbst wenn das möglich gewesen wäre.

Immerhin gewann ich eine Erkenntnis: Man zahlt für alles, auch für den Erfolg.
Und gerade dafür ist der Preis oft zu hoch.