Siegfried Rauch | Willkommen auf meiner Homepage |

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Ein Bayerischer Weihnachtsbaum in LA.

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Was bringt man einem Hollywoodstar mit, der schon alles hat?

Darüber zerbrachen wir uns den Kopf, als Steve McQueen und seine Frau Neil Adams uns einluden, sie Weihnachten in Los Angeles zu besuchen. Dann kam die Erleuchtung: Ein original-bayerischer Christbaum musste es sein! Wir suchten die schönste Weißtanne aus und verpackten sie in einer Papprolle. Karin kümmerte sich um den passenden Schmuck und um die Bienenwachskerzen.
Wir landeten in Los Angeles. Ich wusste, wie genau der amerikanische Zoll sein kann. Aber ich hatte keine Ahnung von den Bestimmungen für die Einfuhr von Pflanzen. Der Anblick eines lebenden Christbaums erschreckte die Zöllner der kalifornische Metropole fast zu Tode! Sie schüttelten die Köpfe, starrten den Baum an, starrten Karin und mich an, legten ihre Stirnen in bedeutungsschwere Falten »Der muss in das Economy Department! « entschied der Oberzöllner. Was, um alles in der Welt, sollte der unschuldige Christbaum dort? Das Economy Department, erklärte der Mensch, besitze ein Labor, in dem dieser Baum auf Schädlinge, auf Bakterien, Viren, Mikroben untersucht werden könne. Vielleicht auch noch auf Radioaktivität und unamerikanische Gesinnung ... Jedenfalls unterm Mikroskop. In einer Woche sollten wir wieder anrufen. »In einer Woche? Good heavens! Der Baum ist ein Weihnachtsgeschenk! «
Das rührte keinen. Sie wollten nur noch unsere Adresse in Los Angeles. Aber als Steves Name fiel, horchten sie auf: »Steve McQueen ? The movie star? « »Genau der!« »Und der Baum ist sein Weihnachtsgeschenk? - Okay, wir werden sehen. Vielleicht geht es schneller. « Es ging schneller. Aber gewonnen war damit noch nichts. Das Labor des Economy Department entdeckte nämlich tatsächlich winzige Parasiten an unserer schönen Weißtanne.
Und was jetzt? Der Baum müsse in ein anderes Labor, erklärte man mir. Möglich, dass man die Parasiten dort vernichten könne. Andernfalls müsse der ganze Baum verbrannt werden.

Nach einer Woche hatten wir sie wieder, die bayerische Weißtanne. Ich holte sie ab und packte sie aus, und sie ließ alle Äste hängen, was ihr wirklich niemand übelnehmen konnte. Karin tat ihr Bestes, und der Baum sah auch wieder ganz hübsch aus, als er geschmückt war.
Aber er riss Neil und Steve nicht von den Stühlen. Sie guckten ziemlich verwundert: »What` s that? - Ach so, ein bayerischer Weihnachtsbaum ...  Als wir dann einen Gang durch die City von L. A. machten, begriff ich, weshalb unser geschundener Bayer keinen großen Eindruck hinterlässt. Es gab hier massenhaft die herrlichst gewachsenen Bäume, die ich je gesehen hatte. Und es gab sie in allen Farben, einschließlich Silber und Gold. Daher konnte eine schlichte, halbtote Weißtanne natürlich keinen großen Eindruck machen. Die Weihnachtstage verlebten wir nicht im Stadthaus, sondern draußen in Palm Springs, wo Steve sich am Rand der Wüste einen Bungalow aus Glas und Stahl hatte hinstellen lassen. Auch unsere Weißtanne fand sich dort ein. Erst als Karin sich anschickte, die Bienenwachskerzen anzuzünden, begriff Steve, dass das keine elektrischen Kerzen waren - und prallte entsetzt zurück. »Das ist verboten! « sagte er. »Da müssten wir ja ständig mit dem Feuerlöscher danebenstehen! « Was sollte in diesem Kasten aus Glas und Stahl wohl brennen? Ich erzählte ihm, dass wir in Bayern im Holzhaus nie etwas anderes als echte Kerzen an den Christbaum steckten, und er schüttelte den Kopf und dachte laut darüber nach, was diese komischen Europäer wohl dazu bewegen mochte, ihr Leben so leichtfertig aufs Spiel zu setzen

Neil und Steve hatten eine Köchin, die die wunderbarsten Hamburger zubereitet.
Ich aß sie täglich, ich konnte nicht genug davon bekommen und würde das Rezept gern verraten. Aber das wäre zwecklos. Ich hab`s probiert und einsehen müssen, dass man in Deutschland nicht das richtige, saftige Fleisch bekommt, aus dem ein wirklich guter Hamburger gemacht wird. Wirklich schade. Über das, was einem in Deutschland als Hamburger zugemutet wird, kann man wirklich nur die Nase rümpfen. Bei den McQueens gab`s Weihnachten den üblichen Truthahn. Er schmeckte fabelhaft. Das Geheimnis ist: Der Vogel muss mit Mais gefüttert werden! Und es darf kein Baby-Puter sein, denn der hat nicht das siebenerlei Fleisch, das den Vogel so abwechslungsreich macht.