Während der Dreharbeiten zu »Le Mans« kamen immer wieder Anrufe von meiner Münchner Agentur. Es ging um Angebote für TV-Verträge. Sie brachten mich in eine echte Zwickmühle.
Nach dem Erfolg von »General Patton« konnte »Le Mans« mir den internationalen Durchbruch bringen. Kamen die Film-Angebote, auf die ich hoffte, dann musste ich frei sein, sie anzunehmen. Aber niemand wusste, ob sie kamen. Ich war nicht mehr nur Ehemann, ich war Vater. Und begriff allmählich, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen. Mittlerweile lagen TV-Angebote für ein ganzes Jahr vor. Ich konnte nicht ablehnen. Anders gesagt: Ich konnte mir das nicht leisten. Unter der Regie von Tom Toelle drehte ich in Salzburg ein Stück, in
dem wir eine Szene mit versteckter Kamera spielten. Die Absicht war, zufällige Passanten agieren zu lassen, ohne dass die zunächst etwas davon ahnten. Es war eine Kriminalkomödie. Mitten in der Stadt waren auf einer Straßenseite die Kamera hinter einem Fenster im ersten Stock aufgebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite schlug mein Partner das Schaufenster eines Juweliers ein. Er raffte den Schmuck zusammen und rannte davon. Unter den Passanten waren auch einige Statisten. Aber die meisten mussten den Raubzug für echt halten. Und sie spielten fabelhaft mit! Sie versuchten, den Räuber zu stellen, ihm den Weg abzuschneiden. Als das nicht gelang, rannten sie hinter ihm her.Ich stand - wie das Drehbuch es verlangte - an der nächsten Ecke, und als der Räuber herankam, rannte er mich fast um, verlor den Schmuck und setzte seine Flucht fort, 15 oder 20 Leute auf den Fersen. Ich schnäuzte mich, ließ das Taschentuch fallen und hob es zusammen mit dem Schmuck auf Er verschwand in meiner Tasche, während ich in aller Ruhe weiterschlenderte.
Das klappte wirklich alles großartig. - Jedenfalls bis zu dem Moment, in dem die kleine alte Dame mich erreichte, mit deren Falkenaugen kein Mensch gerechnet hatte. Eine knochige Hand schloss sich um mein Gelenk, hinter dicken Brillengläsern blitzte es triumphierend, und eine schneidende Stimme sagte: »Ha, das haben Sie sich so gedacht! Jetzt hab ich Sie erwischt! - Ja, was denken Sie sich denn, Sie! Sie! Sie sind ja ein ganz Raffinierter! Wo die Leute alle wegrennen! Da haben Sie gedacht, Sie können den Schmuck einstecken, was? Aber ich hab` alles genau beobachtet! « »Was wollen Sie denn?« Ich spielte weiter den Harmlosen. »Wovon reden Sie überhaupt?« »Polizei! « gellte ihre Stimme die Straße entlang.
»Hilft mir denn keiner? Polizei! Räuber! Mörder!«
Ich spielte immer noch weiter. Bis ich mitbekam, dass Toelle längst abgebrochen hatte und der ganze Stab sich vor Lachen kringelte. Da konnte ich auch nicht mehr. Die kleine alte Dame funkelte mich empört an. Ich zeigte ihr die Kamera, versuchte zu erklären. Alles umsonst. Sie schrie nach der Polizei und verdächtigte auch noch den Regisseur, der lachend dazukam und mich unterstützte, mein Komplize zu sein. Es war tatsächlich die Polizei, die mich vor der resoluten Alten rettete. Ein paar Beamte warteten nämlich in der Nähe, um bei Zwischenfällen
einzugreifen, denn selbstverständlich war die Raubszene mit der Behörde abgesprochen.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ein ahnungsloser Polizist mich für den Komplizen des Schmuckräubers gehalten hätte!














