Ein treuer und zuverlässiger Freund
In der 7- teiligen Fernsehserie »Lawinenpatrouille«, die auch in Deutschland mit gutem Erfolg gelaufen ist, spielte ich einen Gletscherforscher. Die Dreharbeiten in der Schweiz dauerten vier Monate.
In dieser Zeit gewann ich einen Freund. Er hieß Mikosch, war „von Beruf“ Lawinenhund und mit Abstand das intelligenteste Tier, dem ich je begegnet bin. Damit er sich an mich gewöhnen sollte, nahm ich Mikosch gleich zu Anfang auch nach Drehschluss öfter mit. Er begleitete mich zum Hotel, wartete, bis ich geduscht und umgezogen war und ging dann mit mir zum Abendessen. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, zu betteln. Da fiel es mir schon schwerer, die Bitte des Besitzers zu befolgen und Mikosch nicht zu füttern; er bekam tagsüber, während der Dreharbeiten, alles, was er brauchte.
Es war erst am zweiten oder dritten Tag unserer Bekanntschaft, als mir auf dem Weg zum Hotel auffiel, dass ich meine Sonnenbrille vergessen hatte, Ich wollte umkehren und danach suchen. Überflüssig. Mikosch trug das Etui samt Brille im Maul. Und so brachte er mir in den vier Monaten alles nach, was ich irgendwo liegenließ. Natürlich auch das, wovon ich mich absichtlich getrennt hatte. Ausgelesene Zeitungen beispielsweise. Die musste ich schon in einen Papierkorb oder Abfalleimer werfen, um sie endgültig los zu sein.
Die Trennung von Mikosch fiel mir, ich gebe es zu, schwerer als die von manchem Kollegen..
Wenn ich am Wochenende nicht nach Hause fuhr, besuchte Karin mich in der Schweiz. Mikosch zeigte kein Zeichen von Eifersucht, er zog sich einfach zurück. Mikosch war eben ein wirklich kluges Tier und wusste, wann seine Gesellschaft willkommen und wann er überflüssig war. Das ist auch mehr, als man von vielen Menschen sagen kann.