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Benedikt "Benedetto"

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Als ich für die »Dr. med. Mark Wedman«-Serie nach Sardinien fuhr, kamen Karin und Benedikt in unserem mittlerweile reparierten Campingbus mit.

Wir drehten in einem weltabgeschiedenen Bergdorf im Südwesten der Insel: San Benedetto.
Touristen sind dort noch unbekannt.
Während die Erwachsenen sich zunächst ganz betont zurückhielten, nahm die Dorfjugend die Fremden gleich in Augenschein und machte sie zum Inhalt heftiger Diskussionen. Gar nicht beruhigen konnten sich die Jungen und Mädchen über den strohblonden Benedikt. Er war sofort - und dann ständig - von zehn, 15, manchmal 20 kohlrabenschwarzen Haarschöpfen umgeben. Jeder wollte ihn anfassen, und sie bestaunten ihn wie ein Weltwunder. Dann wollten sie wissen, wie er heißt. Mittlerweile waren auch einige neugierige Erwachsene nähergekommen. »Benedikt.« »Benedikt«, wiederholten sie und sahen sich an. Bis einem die Erleuchtung kam, und er strahlend sagte: »Aah, Benedetto! Benedetto!«. Von da an wurde unser Sohn wie eine Art Dorfpatron behandelt, und erschien die Aufmerksamkeit, die ihm jeder widmete, sehr zu genießen.

Die Dreharbeiten gingen nicht so reibungslos voran, wie wir es uns wünschten. Vielleicht lag es an der archaischen Landschaft, dass den meisten von uns der rechte Schwung für etwas so Heutiges wie das Filmen fehlte. Selbst einfache Szenen mussten sechs-, siebenmal wiederholt werden. Ich erinnere mich genau an eine Einstellung, in der wir zu dritt wir der Kamera standen. Immer und immer wieder schrie der Regisseur: »Aus! Aufhören! Das stimmt doch nicht! « Was nicht stimmte war abwechselnd das Licht, war eine Geste, war ein Schritt oder eine Wendung. Als es endlich zu klappen schien, unterbrach der Kameramann, weil der Mikrofon- Galgen ins Bild hing. Und dann, beim achten oder neunten Versuch, als unsere Nerven bereits wie zu straff gespannte Saiten klirrten, ging endlich alles so, wie der Regisseur, der Kameramann und wir selbst es uns vorgestellt hatten.
Allgemeines Aufatmen, die Einstellung war im Kasten. Dachten wir. Da aber meldete sich leise, mit bescheidener Stimme, die Regieassistentin: »Es tut mir ja wirklich furchtbar leid, aber Herr Rauch hat >Toni Iglesias< gesagt. Iglesias ist aber schon seit der 133. Einstellung tot, hier geht es um Tonio Masalla. « Das sind so Augenblicke, in denen kleine Widerwärtigkeiten sich zu unüberwindbaren. Bergen zu türmen scheinen und man sich heftig nach einem anderen Beruf sehnt

Wie fast überall auf der Welt, war auch in San Benedetto die Theke einer der besten Plätze, die Einheimischen kennenzulernen. Die Männer waren alle von einem dumpfen, verschlossenen Stolz - der in den meisten Fällen nur ihre Armut kaschierte. Sie sprachen vom Festland wie von einer anderen Welt, und das war's ja auch. Von der sardischen Abart der Mafia sprachen sie nicht. Das Thema war Fremden gegenüber absolut tabu. Doch kein Mann, der nicht eine Schusswaffe gehabt hätte.
Viele trugen Pistolen oder Revolver; zwar unter der Jacke, meist im Gürtel, aber doch so, dass sie nicht zu übersehen waren. Es gab auch in San Benedetto Todfeinde, die sich tagtäglich mit finsteren Blicken maßen und von denen das ganze Dorf wusste: Dass einer den anderen umbrachte, war nur eine Frage der Zeit.
Wir, die Fremden, blieben damals noch unberührt von diesen Fehden. Uns krümmte niemand ein Haar. Wir konnten den Bus mit allem, was an Bord war, offen stehenlassen, und es wurde nicht die geringste Kleinigkeit gestohlen.