Siegfried Rauch | Willkommen auf meiner Homepage |

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Unser Bauernhof, unsere Heimat

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Ohne Kinder wäre ich nicht zu meinem Bauernhof gekommen. Und ohne diesen Fixpunkt meines Daseins wäre ich heute nicht halb so zufrieden.

Angefangen hat's damit, dass das Leben in einer Etagenwohnung immer unerträglicher wurde - für Benedikt und damit auch für Karin und mich. Die Wohnung war zu eng, draußen wurde die Wiese Rasen genannt und durfte deshalb nicht betreten werden. Es gab weit und breit keinen Spielplatz. Ein fanatischer Hobbybauer, dem das angrenzende Grundstück gehörte, fing den Kindern die Bälle weg und schützte seinen Besitz durch einen Elektrozaun. Es war einfach trostlos. Wir wollten auf einem Bauernhof leben, Karin und ich, aber es war sehr schwer, den richtigen zu finden. Wir waren schon ziemlich entmutigt, als wir unser Dorf fanden und darin unseren Hof Ein richtiges Bauerndorf dessen Bewohner wie ihre Väter und Vorväter Ackerbau und Viehzucht treiben und Federvieh halten und schlachten und ihr eigenes Brot backen und buttern, wo jeder den anderen so gut kennt wie seine eigenen Schwächen, wo das Zusammenleben einfach Freude macht. Bei dem Bauern, der in einen neuen Hof am Dorfrand zog, hatten Karins Eltern, wie sich herausstellte, schon 40 Jahre früher ihre Kartoffeln gekauft. So etwas verbindet »Den Hof kriegt nur ihr, das ist doch klar«, sagte der Kölbl Heribert. (Er sagte es natürlich in seiner Sprache; aber ein richtiger oberbayerischer Dialekt ist schon für die Menschen in der nächsten Stadt oft kaum zu verstehen.)Wir hatten ein bisschen Bargeld, einen Bausparvertrag und eine Portion Mut. Deshalb wollte ich sofort kaufen. »Nein«, sagte der Bauer, »das brauch' ich jetzt noch nicht, das Geld. Nächstes Jahr, vielleicht. Aber verlaßt's euch drauf; ich geh' zu keinem Makler. « Wie er die Makler nannte, behalte ich besser für mich. Heribert Kölbl hielt sein Versprechen. Wir bekamen den Hof ein Jahr später.

Natürlich hatten wir auch einige Freunde, die meinten: »Da gibt's doch nur eine Möglichkeit: Abbrennen lassen und neu bauen! « Wenn ich mir heute die alten Fotos und Filme anschaue, kommt mir der Vorschlag gar nicht so unverständlich vor. Ich war seinerzeit überzeugter als Karin, was unsere Entscheidung für den Hof betraf Natürlich war es eine gewaltige Umstellung: Von der zwar nicht sehr geräumigen, aber komfortablen Etagenwohnung in einen uralten Bauernhof ohne Zentralheizung, Badezimmer, WC. Nachdem wir den Hof gekauft hatten, ergab sich jedoch alles andere von selbst. Wir hatten uns nicht übernommen, aber beides, Bauernhof und Wohnung, wollte und konnte ich mir nicht leisten. Außerdem war ich überzeugt: Wenn wir sofort einziehen, geht's auch mit dem Aus- und Umbau vorwärts. Im Herbst 1973 zogen wir um. »Wird schon werden«, sagte ich tröstend, als ich spürte, wie deprimiert Karin war. »Jetzt ist zwar alles noch sehr einfach . . . »Primitiv, willst du sagen. « »Na und? Von 1742 bis 1972 haben's die Leute hier ohne Bad, ohne Heizung, mit Plumpsklo und Herdfeuer ausgehalten. Da wird uns ein halbes oder auch ein ganzes Jahr unter den gleichen Bedingungen nicht umbringen. « Aber der erste Winter war wirklich hart. Das spürte ich besonders intensiv, wenn ich im eiskalten Stall stand und unter der Gießkanne duschte. Im Stall war auch das Plumpsklo, und bei Ostwind pfiff es ganz gemein von unten herein. . . Dafür war's in der Wohnküche bullig warm; so kann eben nur ein Holzfeuer wärmen.