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Jugendträume

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Als ich 1977 das zweite Mal nach Südafrika kam und dort einen Film mit dem englischen Titel »One Take Two« drehte, erinnerte ich mich an einen Klassenkameraden, der während des Krieges immer wieder begeistert von seinem Geburtsland erzählt hatte: Südwestafrika.

Die ehemalige deutsche Kolonie war für ihn der Inbegriff der großen Freiheit. Nur zu verständlich in einer Zeit, da in Deutschland - auch für uns Kinder erkennbar - die letzten Freiheitsreste zum Teufel gingen. Helmut Koetzle sei nach Afrika zurückgekehrt, hatte mir jemand erzählt. Ich sah mich um und fand den Jugendfreund in der Nähe von 'Windhuk. Er hatte eine Mercedes-Werkstatt, und es schien ihm wirtschaftlich glänzend zu gehen. Wir feierten das Wiedersehen ausgiebig. Helmut lud mich in sein herrliches Haus ein. »Du hast es geschafft«, sagte ich. »Ja.« Er grinste dünn. »Hast deinen Jugendtraum wahrgemacht. « »So ist es. « Er nickte. »Doch, es geht mir wirklich gut. Ich habe alles, was ein Mann sich wünschen kann. - Ehrlich, Sigi, ich hätte nie gedacht, dass es mir je im Leben so gut gehen würde! Aber ich hab's geschafft. « Er sah mich ernst an: »Ich hab' geschuftet, Sigi. Es gab keinen Feierabend, kein Wochenende. Nicht, bevor ich meine Ziel erreicht hatte: Die Garage, das Haus ...

Er stieß plötzlich einen tiefen Seufzer aus. Nach zwei oder drei Minuten fragte er: »Weißt du, wonach ich mich sehne? « »Na?« »Einmal wieder einen deutschen Frühling erleben! Einmal wieder nach Bayern kommen! « Und dann brach es aus ihm heraus, alles, was sich vermutlich in langen Jahren aufgestaut hatte: »Schau dich doch um! Alles braun! Alles vertrocknet! Sand, wo du hinschaust! Sand, wo du hin fasst! Er knirscht zwischen den Zähnen, wenn du grillst, er begleitet dich vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, und zwischen den Bettlaken wieder Sand, Sand, Sand! « So ging's eine ganze Weile weiter. »Von deinem Jugendtraum ist einiges abgebröckelt, Helmut. « »Abgebröckelt? « Er lachte bitter: »Er ist längst hin, der Jugendtraum! « Zweifellos eine depressive Phase. Am nächsten Morgen ging's ihm schon wesentlich besser. Er machte sich lustig über seine Klagen vom Vorabend.

Ich war noch nicht lange aus Afrika zurück, da hielt ein Mercedes vor dem Hof. Helmut Koetzle stieg aus und kam lachend auf mich zu: »Ich hab's getan, Sigi! « »Was?« »Ich hab' alles verkauft und bin zurückgekommen. Für immer!« Ich weiß nicht, ob er jetzt glücklicher ist. Jugendträume sind nicht sehr strapazierfähig. Aber sie gehören zum Erwachsenwerden wie Schule, Zahnschmerzen und erste Liebe.